Trauer
Trauer ist Angst. Angst es (was auch immer mit dem es gemeint ist) nicht zu schaffen. Angst den geliebten Menschen an meiner Seite nicht mehr sehen, fühlen, hören, zu können. Angst vor dem Alleinsein, ich bin alleingelassen worden (beachte die Schuldzuweisung). Trauer ist dennoch ein wichtiger Prozess der Auseinandersetzung.
Der Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Angst kann die Freiheit von Bindungen bedeuten. Zwischen einer Person mit der du verbunden bist, sei es durch Verwandtschaft, Freundschaft, oder andere Beziehungen und dir, besteht eine sogenannte Bindung. Stelle dir das wie ein Band zwischen euch vor. Auf der einen Seite du, auf der anderen diese Person. Das kann je nachdem dein Vater, deine Mutter, dein Kind, dein Ehepartner, dein Arbeitskollege sein. Also jegliche Person, die du kennst. Der andere braucht nicht einmal dich zu kennen (z. B. wenn du Fan einer Musikgruppe bist. Du siehst, es kann sogar für eine Gruppe von Personen gelten).
Stirbt oder verlässt dich die Person auf der anderen Seite deines "Bandes", so entsteht Trauer. Du fühlst nur dich, und auf der andere Seite des Bandes ist nur Leere, da ist Nichts, an dem du festhalten kannst. Und schon ist die Angst da! Diese Leere vor dem Ungewissen macht Angst.
Hier gilt es nun sich damit auseinander zu setzen. Tief in den Trauerprozess einzusteigen, sein Alleinsein, seine Angst zu spüren und geschehen zu lassen. Lass es zu in Trauer zu sein und schaue dir dabei genau an, was die Trauer auslöst! Hier musst du ehrlich sein, absolut ehrlich, sonst kann keine Heilung entstehen!
Und hier fängt das Problem gleich an: Du gibst dem Verstorbenen die Schuld, das er gegangen ist! Oder der Geliebte, der gegangen ist, ist schuldig! Nicht der, der geblieben ist. Der ist ja der Trauernde! Noch gemeiner ist es, wenn der, der gegangen ist, noch nicht einmal traurig ist (was bei Verstorbenen aus der Natur heraus ja gegeben ist)! Das darf nicht sein, du wirst ihm noch mehr Schuld zuweisen, vielleicht sogar hassen! Aber was ist da passiert? Du bist auf der einen Seite des Bandes und fühlst die Leere auf der anderen Seite, das macht, wie schon gesagt Angst und lähmt dich. Es macht dich bewegungsunfähig, du gehst in eine Nicht-Handlung. Du trauerst. Es ist ein Stillstand.
Was ist mit dem Anderen? Gehen wir einmal vom Geliebten aus, der gegangen ist. Er hat auch dieses Band zu dir. Nur wesentlich schwächer (nicht wertend gemeint). Er sieht und fühlt sich auf seiner Seite und dich auf der anderen. Er ist sich seiner Seite mehr bewusst. Vielleicht hat er auch im Laufe eurer Beziehung schon getrauert und konnte so einiges an Lähmung "abbauen". Da er jetzt aber keine, oder auch nur wenig Angst hat, bleibt er in Bewegung. Diese Bewegung lässt ihn zwar seine Angst spüren, sie fesselt ihn aber nicht. Daher kann hier nicht soviel Trauer entstehen. Und das ist der grundlegende Unterschied!
Was bedeutet das für mich als Trauernden? Als allererstes, hör auf zu jammern und gib keinem irgendeine Schuld oder Verantwortung! Nur du allein bist verantwortlich! Dann komme in Bewegung, komme aus deiner Starrheit raus und setz dich in Bewegung, in Handlung! Verrichte zum Beispiel ganz alltägliche Dinge, die du früher schon immer gemacht hast, oder besser, mach Neues, fahre einen anderen Weg zum Einkaufen, zur Arbeit. Setz dich abends oder wenn du Zeit hast hin und schau dir an, was der Grund deiner Angst ist. Ist es das Alleinsein, sind es finanzielle Nöte. Schreib es auf! Schreib zu jedem Punkt mindestens eine Lösung auf, die du machen könntest (nicht musst). Als Beispiel, Alleinsein --> ins Cafe gehen, Freunde besuchen, Unterhaltungen tätigen mit Arbeitskollegen. Und jedesmal, wenn du über deine Angst nachdenkst, lese deinen Zettel! Vielleicht fallen dir dann noch mehr Lösungen oder Möglichkeiten ein. So wirst du aus deiner Trauer rauskommen, sie wandeln in Stärke und Kraft. So kannst du wieder strahlen und Mensch sein!
Versteh mich nicht falsch, Trauer ist nicht etwas schlechtes, etwas, das man nicht haben darf. Trauer ist gut und wichtig, um seine Ängste, seine Bindungen und Beziehungen kennen lernen zu können. Und vor allem: Trauer richtig eingesetzt, wird sie dich in deine Stärke und Kraft führen!



