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"Richtig" aus der Sicht des Menschen bedeutet die Sicht des Menschen. Seine Wahrnehmung gefiltert durch sein evolvierendes System von Verhaltensmustern seit seiner Kindheit. Gepaart mit gesetzlichen, moralischen, ethischen, religiösen und regionalen Sichtweisen. "Richtig" liefert ihm ein fixes Meinungsbild, mit dessen er seine Muster, ob bewusst oder unbewusst, mit der ihm eigenen Sicherheit, die er scheinbar für sich benötigt, verbinden kann.
Auf der Suche nach Sicherheit bietet ihm der Begriff „Richtig“ einen Wegweiser, auf dem Pfad seines frühkindlichen Wachstums bis ins Alter seines Lebens. Die Gratwanderung, des für ihn guten und richtungsweisenden Elixiers, des von allen Umständen erhabenen Wertes, löst eine Reihe für ihn chronologisch notwendiger Ereignisse aus. Da sie in enger Affinität zur meinungsbildenden Gesellschaft steht, fallen ihm Entscheidungen, die natürlich auch geprägt durch seine Verhaltensmuster sind, leichter. Sie fallen in sein Sinnbild des Daseins des menschlichen Lebens und seiner Berufung. Die Gewissheit der Zustimmung der breiten Masse an Personen in seinem Umfeld tut ein Übriges dazu, damit er seine Rechtfertigung für die ihm obligate Entscheidung tätigen darf.
Sinnsuchend erweist sich der Begriff „Richtig“ als sehr hilfreich, da es ihm dadurch ermöglicht wird, im Durcheinander der Religionen, Spiritualität und der Esotherik, den für ihn vernünftigen und logischen Weg zu lokalisieren und sogar zu ebnen. Ist er bereit, durch die ihn weiterführenden Versuchungen der Richtigkeit seines Handelns zu gehen, so erwartet ihn am Ende die scheinbare Belohnung durch Himmel, Erleuchtung oder etwas ähnlich Gestalteten. Da ja hier anscheinend das Feld und der Umfang an richtigen und falschen Entscheidungen sehr gross dimensioniert ist, liegt es nun näher, hier nach Rechtfertigungen seines Handelns zu suchen und diese zu fixieren. Doch bedeutet Rechtfertigung im ursprünglichen Sinne ein Recht zu fertigen. Gehen wir auf die Bedeutung des Wortes ein, so erfahren wir hier, dass das Recht nicht obligat, sondern vom Vertretenden erst erschafft werden muss. Es obliegt damit ihm nach Aussen, die Darstellung von Richtig oder Falsch seines Handelns darzulegen. Dadurch, dass er sein Recht fertigt, deklariert er es als „Richtig“. So sind seine Entscheidungen in diesem Sinne immer als richtig zu definieren und enthebt ihn von einem Teil seiner Verantwortung für sein Handeln. Dieser Mensch produziert sein eigenes Recht und sein eigenes „Richtig“ für die Umstehenden und unterbindet unter normalen Umständen, dass sein Handeln von den Anderen als falsch empfunden werden kann. Um noch einen Schritt weiter zu gehen, fordert er nun oft die ihm nahe Stehenden auf, seinen Weg zu unterstützen und seinem Wege zu folgen. So ist er im Verstande auf dem Weg des „Richtig“ und sollte einer, der ihm folgt, bemerken, dass diese eingeschlagene Route gewisse Mängel aufweist oder sogar nicht mehr als „Richtig“ betrachtet werden kann, so ist er zumindest nicht allein diesen Weg gegangen.
Schwieriger wird es mit spirituellen Menschen, oder denen, die sich zumindest dafür halten. Die davon ausgehen, die Unterschiede zwischen Richtig und Falsch genau zu kennen und in ihrer Wahrnehmung erfahren und dabei methodische Verfahrensweisen entwickelt haben dieses darzulegen und in gutem Glauben an Andere es weiter geben zu müssen. Sie sind oft geprägt von Weltanschauungen so genannter Erleuchteter, Gurus oder eines Gottes. Je mehr sie sich im hingeben, was vom „Schüler“ gefordert wird, damit er wachsen kann (Hingabe; die wir schon aus der östlichen Tradition her kennen und im Zuge des spirituellen Suchens anfangs der 1970er Jahre nicht reflektierend in unsere westliche Anschauungsweise übernommen haben), desto abhängiger wird er von dessen Anschauungen. Diese Hingabe führt natürlicherweise in ein nicht reflektierendes, kommentarloses Übernehmen von moralischen (nämlich den eigenen Vorstellungen des Angebetenen) Denkstrukturen des Erleuchteten, Gurus oder Gottes. So ist im guten Glauben, das „Richtige“ zu tun, und fehlende Hingabe sogar als Abtrünnigkeit oder fehlender Glaube deklariert wird, ein papageienhaftes, stupides Nachplappern des Hingebenden die logische Folge. Durch die Hingabe schafft sich dann der ernannte Angebetene seine von ihm abhängigen Folgenden, die ihr Sklaventum sogar freiwillig in Kauf nehmen. Hier kulminiert der Begriff "Richtig" in die fatalsten Prämissen, die durch die Umstehenden nicht mehr erkennbar deformiert wird. |