Wahrnehmung ist „nur“ die Interpretation des Verstandes, der auf deinen Erfahrungen und Wissen aufgebaut ist.

So beinhaltet deine Wahrnehmung immer deine subjektive Auffassung und Vorstellung des Objektes. Das heisst, dass eine Wahrnehmung niemals objektiv sein kann!

Sie beinhaltet immer deine persönliche Auffassung, Meinung, Emotion und/oder Gefühl. Sie hat rein gar nichts mit deinem Gegenüber zu tun! Er mag ein Auslöser sein, den Gedanken der Wahrnehmung hast jedoch du!

Das Wort Wahrnehmung sagt es ja bereits aus, ich nehme wahr. Ich nehme mir die Wahrheit! Woher nehme ich sie mir? Aus mir selbst! Das ist das Problem, wenn es um eine objektive Warhnehmung geht!

Wahrnehmung

Das Wahrnehmen bedingt einer Interpretation deines Verstandes, welches auf Verhaltensmustern und -strukturen aufgebaut ist. Es ist immer eine REAKTION auf etwas. Es kann nie Aktion sein! Das heisst, egal was du siehst, hörst, fühlst oder schmeckst, du bewertest es augenblicklich auf Grund deiner Erfahrungen. Stell dir vor, ein fremder Mensch, dreckig und stinkt, streichelt dir plötzlich über die Wange. Was löst das bei dir aus!? Dein lieber Freund/Partner streichelt dir über die Wange. Was ist der Unterschied? Beides sind Wahrnehmungen. Beide sind wahr! Aber sie unterliegen deinen Vorstellungen, Erwartungen, deinen Interpretationen! Deine unterschiedliche Gefühlswelt dabei bestimmt, dass du es das eine Mal abstossend, das andere Mal schön findest! Weitere Beispiele für ein und diesselbe Situation, die unterschiedlich wahrgenommen werden: Der Rennfahrer riecht gerne das verbrannte Rennöl seines Sportwagens, der „Öko-Freak“ wird auf Grund des „Gestankes“ eher wütend… Das dreckige Hitec-Mountainbike an der Hauswand entzückt den Biker, der Hausbesitzer wird ärgerlich, da es die Hauswand dreckig macht… Wer hat hier nun Recht? Beide sehen das Gleiche und empfinden unterschiedlich. Das ist Wahrnehmung! Das bedeutet, dass jeweils beide Personen richtig liegen in ihren Wahrnehmungen. Doch kann der Öko-Freak das so stehen lassen und den Rennfahrer die Luft weiter verpesten lassen? Kann der Hausbesitzer verstehen, dass der Biker von diesem Hitec-Wunder fasziniert ist und den Dreck an der Hauswand nicht sieht? Was ist der Grund, dass die unterschiedlichen Wahrnehmungen zu kontroversen Diskussionen führen? Gestehen wir uns ein, dass der Andere vielleicht genauso Recht hat, wie wir?

Vor Jahren schrieb ich schon einmal dies:
Jegliche Wahrnehmung, sei sie noch so rein oder klar, ist ein Produkt unserer Interpretation. Der Gedanke an sich ist bereits Interpretation, damit alt und niemals neu. Er ist die Summe des Erfahrens und des Wissens.
Deshalb ist da die Angst niemals das zu sehen, was ist.
Jegliches Bild in meinem Kopf ist nicht existent aus einer klaren Wahrnehmung, sondern ist die Summe aller Einzelinformationen meiner Erfahrungen und Erinnerungen und deren Vergleichen und Interpretationen meiner Gedankenströme.
Das Bild eines Kreises ist nicht Tatsache aus seiner selbst heraus. Es ist das Abbild meiner gespeicherten Informationen, meines Lebens, meiner Ausbildung, meiner Erziehung und letztendlich aus der gesellschaftlichen Struktur.
Alles, was ich wahrnehme und bewerte ist daher lediglich ein Produkt dieser Summe meiner „alten“ Erfahrungen und Erinnerungen und niemals aus der Wahrheit an sich.

Gewahrwerden

Das Gegenteil, wenn man davon reden kann, ist das Gewahrwerden. Jetzt wird es schwierig für mich zu erklären. Stell dir vor, du bist auf einer Insel aufgewachsen, keine anderen Menschen, keine Technik, nichts. Du wirst gefunden, kommst zu anderen Menschen. Der Moment, wo du etwas siehst, hörst, schmeckst oder fühlst, was du noch nie vorher gesehen, gehört, geschmeckt oder gefühlt hast UND auch noch KEINE in diesem Zusammenhang verbundenen Gefühle gebildet hast UND du lässt diesen Eindruck „nur“ auf dich wirken, dann könnte man hier von Gewahrwerden sprechen. Es ist ein Sinneseindruck, der jeglicher Interpretation deines Körpers und deines Verstandes entbehrt.
Nur ein gänzlich leerer Verstand kann gewahrwerden! Es ist immer ein passiver Akt! Ohne dein Zutun und es ist immer ein Prozess, denn dein Verstand wird sofort versuchen es zu kategorisieren, schlecht, gut, böse, fein, usw.
Doch im Zustand und im Moment des Gewahrwerdens ist es die absolute Wahrheit und Wirklichkeit, nicht die deine.

Ich will es einmal anders ausdrücken. In dem Moment, dem Augenblick, wo du etwas siehst, riechst, hörst, spürst, schmeckst, also durch deine Sinnesorgane etwas vermittelt bekommst, dieser winzige Augenblick ist ein Gewahrwerden! Im nächsten Augenblick schickt sich unser Gehirn an diese Informationen zu verarbeiten und zuzuordnen. So entsteht Wahrnehmung! Das Gehirn „nimmt“ sich aus seiner Erinnerung heraus seine „Wahrheit“ über den durch die Sinnesorgane empfangenen Eindruck.

Gewahrsein

Dazu ist das Wort Gewahrsein für mich ein Zwitterzustand. Denn es beinhaltet zum einen den Tod, da das GewahrSEIN keinen Prozess darstellt, sondern einen (Dauer)Zustand. Das SEIN ist stetig. Unser Verstand nicht, der ist sehr aktiv. Das heisst, ich werde eventuell etwas gewahr für einen winzigsten Moment und versuche es sofort festzuhalten. Für mich kein so lohnenswerter Aspekt der Spiritualität. Das heisst, die Dinge, die ich mir bewusst bin (mit allen Interpretationen meines Verstandes, also alten Erinnerungen) versuche ich auf eine passive Art zu erleben. Das funktioniert nicht, hier würde ich mich selber anlügen. Der Tod ist ja durchaus sehr positiv zu betrachten, da er gleichzeitig immer einen Neuanfang mit sich führt. Hier bedeutet es aber, dass ich dem Gewahrsein eine Interpretation zufügen würde…. Also könnte ich hier auch von Wahrnehmung reden.

Jedoch: Deute ich es als einen Zustand des stetigen Gewahrwerdens, ohne den Versuch des Festhaltens, so ist es wiederum für mich ein wundervoller Zustand.